Drucken

Befristete Beschäftigung im öffentlichen Dienst

Auf der letzten Sitzung der Bundestarifkommission am 15. Oktober 2015 in Berlin hatte ein Vertreter des Instituts f√ľr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einen Zwischenbericht √ľber die Ergebnisse aus der Studie zum Thema ‚ÄěBefristete Besch√§ftigung im √∂ffentlichen Dienst" erstattet.

Diese Studie hat der Bund zusammen mit dem dbb und ver.di aufgrund der Tarifeinigung im Jahre 2014 in Auftrag gegeben. Zu dieser Studie liegt mittlerweile der abschließende Forschungsbericht vor. Er kann unter dem Link http://www.iab.de/185/section.aspx/Publikation/k151222v01 abgerufen werden.

Insgesamt betrachtet zeigt sich, dass befristete Arbeitsvertr√§ge im √∂ffentlichen Dienst, und zwar insbesondere in der Einstellungspraxis, eine gr√∂√üere Rolle spielen als in der Privatwirtschaft. Zudem fallen die √úbernahmechancen in √∂ffentlichen Einrichtungen geringer aus. Zu beobachten ist auch, dass der Anteil befristet Besch√§ftigter im √∂ffentlichen Sektor in der ersten H√§lfte des Untersuchungszeitraumes (2004 bis 2010) zugenommen hat, w√§hrend seither eine leicht r√ľckl√§ufige Tendenz zu erkennen ist. Der Befristungsanteil, wie ihn IAB-Betriebspanel und Personalstandstatistik ausweisen, liegt im Jahr 2014 oberhalb des Anteilswertes des Jahres2004, der des Mikrozensus darunter. Insgesamt betrachtet liegt der Befristungsanteil‚Äď bezogen auf alle Besch√§ftigungsverh√§ltnisse einschlie√ülich der Beamten sowie ohne den Wissenschaftsbereich ‚Äď deutlich unterhalb von zehn Prozent und nur geringf√ľgig √ľber dem Befristungsanteil in der Privatwirtschaft. Im gemeinn√ľtzigen Dritten Sektor und in der Wissenschaft haben befristete Arbeitsvertr√§ge dagegen eine weitaus gr√∂√üere Bedeutung.

Die getrennte Betrachtung von Arbeitnehmern und Beamten zeigt, dass im √∂ffentlichen Dienst √ľberwiegend Arbeitnehmer befristet besch√§ftigt werden. Zeitvertr√§ge bei Beamten spielen nur in Kommunen mit unter drei Prozent und in der Wissenschaft mit etwa f√ľnf Prozent eine gewisse Rolle. Bei den Arbeitnehmern liegt der Anteil befristeter Arbeitsverh√§ltnisse im √∂ffentlichen Dienst einschlie√ülich des Wissenschaftsbereichs oberhalb von 15 Prozent. Ohne den Wissenschaftsbereich liegt sie geringf√ľgig unterhalb von zehn Prozent. Zudem zeigt sich, dass vor allem j√ľngere Arbeitnehmer unter 35 Jahren h√§ufig befristet besch√§ftigt werden. Dort liegt der Befristungsanteil mehr als doppelt so hoch wie in den √ľbrigen Altersgruppen. Letztlich sind es √ľberwiegend die jungen Arbeitnehmer, die im √∂ffentlichen Dienst befristet besch√§ftigt werden.

Sachgrundlose Befristungen gewinnen im √∂ffentlichen Sektor an Bedeutung. Dies d√ľrfte vor allem darauf zur√ľckzuf√ľhren sein, dass sie nach Angaben der befragten Experten mit einer h√∂heren Rechtssicherheit einhergehen als Befristungen mit Sachgrund. Sie haben aber insgesamt betrachtet nicht zu einer deutlichen Ausweitung befristeter Arbeitsvertr√§ge gef√ľhrt. Zwar erleichtern Befristungen ohne Sachgrund befristete Einstellungen, jedoch gehen sie nach den Ergebnissen der multivariaten Analysen mit geringeren Befristungsanteilen und zugleich h√∂heren √úbernahmechancen einher. Sie d√ľrften h√§ufiger als Br√ľcke in unbefristete Besch√§ftigung fungieren als andere Befristungsformen.

Befristete Besch√§ftigung kommt im √∂ffentlichen Sektor vielfach deshalb zum Einsatz, weil tempor√§re Personalausf√§lle kompensiert werden m√ľssen oder Personal- Ressourcen nur befristet zugewiesen werden. Entscheidende Stellschrauben f√ľr eine Reduzierung befristeter Arbeitsvertr√§ge d√ľrften somit eine ausreichende Finanzierung von Planstellen und eine Erh√∂hung der organisationalen Flexibilit√§t, beispielsweise √ľber die Schaffung von unbefristeten Vertretungsstellen, sein.

Die Gegen√ľberstellung von Befristungspraxis und K√ľndigungspraxis zeigt zudem, dass Arbeitgeberk√ľndigungen, anders als in der Privatwirtschaft, im √∂ffentlichen Dienst erwartungsgem√§√ü eine geringe Rolle spielen. Neben regul√§ren Renteneintritten werden Personalabg√§nge im √∂ffentlichen Sektor h√§ufig √ľber befristete Arbeitsvertr√§ge realisiert. Darauf deutet auch das Befristungsmotiv der ‚ÄěPersonalfluktuation‚Äú hin, das im Rahmen der qualitativen Expertenbefragung rekonstruiert werden konnte. Die Ver√§nderung der von den Arbeitgebern erwarteten Personalprobleme im √∂ffentlichen Sektor legt zudem nahe, dass sich die Rekrutierung von Fachkr√§ften zunehmend schwieriger gestaltet und folglich st√§rker in den Fokus der Personalpolitik r√ľcken d√ľrfte.

In Zukunft könnte demnach die Frage an Bedeutung gewinnen, wie geeignetes Fachpersonal rekrutiert und langfristig gebunden werden kann. Mit der Studie des IAB ist nunmehr auch wissenschaftlich bestätigt, dass Befristete Beschäftigung in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes eine große Rolle spielt und ein strukturelles Problem darstellt. Der dbb wird dieses Problem auf jeden Fall in der anstehenden Tarifrunde mit Bund und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) aufrufen und die Eingrenzung von Befristeter Beschäftigung fordern.

(Quelle dbb Beamtenbund und Tarifunion)