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Krankheit im Arbeitsverhältnis

Welches Entgelt steht mir zu, wenn ich krankgeschrieben bin? Muss ich w√§hrend einer Krankheit in jedem Fall zu Hause bleiben? Kann mein Arbeitsverh√§ltnis wegen Krankheit gek√ľndigt werden? Diese und weitere Fragen stellen sich f√ľr Arbeitnehmer, wenn sie arbeitsunf√§hig erkrankt sind

Im Folgenden geben wir einen kurzen √úberblick √ľber die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern im Zusammenhang mit einer Krankschreibung:

√Ąrztliches Attest

Gem√§√ü ¬ß 5 Entgeltfortzahlungsgesetz ist der Arbeitnehmer verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunf√§higkeit und deren voraussichtliche Dauer unverz√ľglich mitzuteilen. Wenn die Arbeitsunf√§higkeit l√§nger als drei Kalendertage dauert, hat der Arbeitnehmer sp√§testens am darauffolgenden Arbeitstag eine √§rztliche Bescheinigung vorzulegen, aus der sich die Arbeitsunf√§higkeit und deren voraussichtliche Dauer ergeben. Der Arbeitgeber kann die Vorlage der Bescheinigung aber bereits fr√ľher verlangen. Hierf√ľr ist weder ein Anlass, noch eine Begr√ľndung erforderlich. Verl√§ngert sich die Arbeitsunf√§higkeit √ľber die im Attest angegebene Zeit hinaus, muss erneut eine Bescheinigung vorgelegt werden.

Entgeltfortzahlung

Auch w√§hrend der Krankschreibung sind Arbeitnehmer finanziell abgesichert. Gem√§√ü ¬ß¬ß3 und 5 EFZG wird f√ľr die Zeit der Arbeitsunf√§higkeit das f√ľr die regelm√§√üige Arbeitszeit zustehende Entgelt f√ľr einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen fortgezahlt, wenn der Arbeitnehmer unverschuldet an der Arbeitsleistung gehindert ist und bereits f√ľr 4 Wochen ununterbrochen besch√§ftigt war. Mehrere Zeiten der Arbeitsunf√§higkeit wegen derselben Erkrankung werden hierbei zusammen gerechnet. Ein neuer Anspruch auf Entgeltfortzahlung f√ľr weitere sechs Wochen besteht bei Arbeitsunf√§higkeit aufgrund derselben Erkrankung dann, wenn zwischen der letzten und der erneuten Arbeitsunf√§higkeit mindestens 6 Monate liegen oder wenn der Beginn der ersten Arbeitsunf√§higkeit mindestens 12 Monate zur√ľck liegt.

Von diesen Vorschriften kann grundsätzlich nicht zuungunsten des Arbeitnehmers abgewichen werden.

Krankengeld und Krankengeldzuschuss

Ist der Arbeitnehmer √ľber den Zeitraum der Entgeltfortzahlung hinaus weiter arbeitsunf√§hig, kann Anspruch auf Krankengeld durch die gesetzliche Krankenkasse bestehen. Wegen derselben Krankheit besteht der Anspruch f√ľr bis zu 78 Wochen innerhalb von drei Jahren, wegen unterschiedlicher Erkrankungen ohne zeitliche Begrenzung. Tritt w√§hrend der Arbeitsunf√§higkeit eine weitere Erkrankung hinzu, wird die Leistungsdauer nicht verl√§ngert. Das Krankengeld betr√§gt 70 % des regelm√§√üigen Bruttoentgelts, jedoch nicht mehr als 90 % des Nettoentgelts, gek√ľrzt um die Arbeitnehmeranteile an der Sozialversicherung. Das Krankengeld ist steuerfrei.

Zus√§tzlich besteht im Geltungsbereich von TV-L ein Anspruch auf Krankengeldzuschuss, gem√§√ü ¬ß 22 Abs.2 und 3 TV-L in H√∂he des Unterschiedsbeitrags zwischen den Barleistungen des Sozialversicherungstr√§gers und dem Nettoentgelt. Sonderregelungen bestehen f√ľr freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung und privat Versicherte. Der Krankengeldzuschuss wird bei einer Besch√§ftigungszeit von mehr als einem Jahr l√§ngstens bis zum Ende der 13 Woche beziehungsweise einer Besch√§ftigungszeit von mehr als drei Jahren l√§ngstens bis zum Ende der 39 Woche seit Beginn der Arbeitsunf√§higkeit infolge derselben Krankheit gezahlt.

Verhalten während einer Krankschreibung

Ein Arbeitnehmer darf w√§hrend seiner Arbeitsunf√§higkeit grunds√§tzlich alle Aktivit√§ten aus√ľben, die dem Heilungsprozess nicht entgegenstehen. Letztlich kommt es auf die Diagnose des Arztes an. Solange keine Bettruhe verordnet ist, kann ein Arbeitnehmer also grunds√§tzlich seine Wohnung verlassen und beispielsweise Spazierg√§nge machen oder ein Kino oder Restaurant aufsuchen, wobei der Konsum von Alkohol hiervon nicht umfasst ist. Dieser d√ľrfte f√ľr den Heilungsprozess nicht f√∂rderlich sein.

K√ľndigung wegen Krankheit

Eine K√ľndigung wegen Erkrankung ist grunds√§tzlich nicht ausgeschlossen. Voraussetzung ist eine negative Prognose, also dass weitere Erkrankungen im bisherigen Umfang zu erwarten sind. Weiter m√ľssen die zu erwarteten Fehlzeiten zu erheblichen Beeintr√§chtigungen der betrieblichen und wirtschaftlichen Interessen des Arbeitgebers f√ľhren und eine Abw√§gung der Interessen beider Seiten ergeben, dass eine Weiterbesch√§ftigung dem Arbeitgeber nicht zuzumuten ist. Eine vorherige Abmahnung ist bei einer krankheitsbedingten K√ľndigung nicht erforderlich. Auch eine au√üerordentliche fristlose K√ľndigung wegen Krankheit ist m√∂glich, etwa wenn w√§hrend der Krankschreibung eine anderweitige Erwerbst√§tigkeit ausge√ľbt oder eine noch nicht bestehende Erkrankung angek√ľndigt war. Die Rechtm√§√üigkeit einer K√ľndigung muss jedoch im Einzelfall gepr√ľft werden, gegebenenfalls √ľber die Inanspruchnahme des gewerkschaftlichen Rechtsschutzes.

(Quelle: dbb Beamtenbund und Tarifunion)