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Die Hauptverhandlung vor dem Werler Amtsgericht endete mit einem Freispruch. Trotzdem war der Vorwurf, einen Gefangen vorsätzlich verletzt zu haben, eine große Belastung.

JVA Werl: Vom Vorwurf der Körperverletzung im Amt freigesprochen!

Ein Werler Kollege ist am 9. April 2019 durch das Amtsgericht Werl vom Vorwurf K√∂rperverletzung im Amt freigesprochen worden. Dem Urteil lag ein Fall zugrunde, der sich am 27. Oktober 2018 in der JVA Werl ereignet hatte. In den fr√ľhen Morgenstunden war es zu einem Konflikt zwischen einem Stationsbeamten und einem Gefangenen gekommen, der schnell in einen t√§tlichen Angriff des Gefangenen √ľberging.

Nach erfolgter Alarmierung kamen dem Betroffenen schnell mehrere Kollegen zu Hilfe. Beim Eintreffen der Kollegen hielten sich der Angegriffene und der Gefangene wechselseitig im Schwitzkasten. Der Angeklagte und weitere Kollegen √ľberw√§ltigten den Inhaftierten und legten ihm Fesseln an. Anschlie√üend sollte der Gefangenen in einen besonders gesicherten Haftraum verbracht werden. Hierzu musste er in ein relativ weit entferntes Hafthaus transportiert werden. Zun√§chst, man hatte ihm wegen entsprechender vorausgegangener Aktivit√§ten eine Spuckhaube angelegt, war der Inhaftierte mitgelaufen, was er jedoch nach kurzer Zeit einstellte. Er lie√ü sich fallen und musste fortan getragen werden. Mit vier Kollegen wurde der Gefangene transportiert, was sich als extrem schwierig erwies, weil der Gefangene mit Aggressivit√§t reagierte. W√§hrend des Transportes soll der Angeklagte den Gefangenen dann mehrfach getreten haben. Dies wurde durch einen Kollegen bezeugt.

Nach der Unterbringung in dem besonders gesicherten Haftraum verlor der Gefangene das Bewusstsein und wurde anschlie√üend in ein Krankenhaus verbracht, wo er kurz darauf verstarb. Die anschlie√üende Obduktion ergab, dass der 59-j√§hrige Gefangene an den Folgen eines Herzleidens verstorben ist. Hinweise auf Verletzungen, f√ľr die Fu√ütritte h√§tten urs√§chlich sein k√∂nnen, ergab die Obduktion hingegen nicht.

W√§hrend der Hauptverhandlung wurden die Szenen der Verbringung spontan nachgestellt. Dabei stellte sich heraus, dass ein mit dem Tragen eines Menschen besch√§ftigter Kollege ergonomisch kaum in der Lage ist, mit den F√ľssen nach einer Person oder einem Gegenstand zu treten. Der Zeuge, der entsprechende Beobachtungen gemacht haben will, ist hier wohl einem subjektiven Wahrnehmungsirrtum aufgesessen, wie es die Einzelrichterin formulierte.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme sah selbst der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Tatbestandsmerkmale einer K√∂rperverletzung im Amt nicht als erf√ľllt hat und pl√§dierte ebenso wie die Verteidigung auf Freispruch.

Letztlich hatte das Gericht ebenfalls gro√üe Zweifel, ob der Angeklagte im Zuge des Transportes des Gefangenen tats√§chlich eine Straftat beging. Der Angeklagte war deshalb freizusprechen. Nach diesem Urteil fiel die ganze Anspannung von dem Angeklagten ab und er zeigte sich sehr erleichtert. Immerhin hat ein solcher Vorwurf, wenn er zu einer Verurteilung f√ľhrt, existenzbedrohenden Charakter.

Friedhelm Sanker

Foto im Beitrag © Heinz-Georg Klein / BSBD-NRW